Qualität

„Facharbeit – Qualitätsarbeit“

Von Profis darf grundsätzlich eine gute und qualitativ untadelige Arbeit erwartet werden. Als Berufsverband bemüht sich der VNPS zusammen mit seinen Mitgliedern laufend, an diesem Ziel zu arbeiten – und dieses auch zu erreichen.

Eine wichtige Basis dazu bildet die Tatsache, dass alle VNPS-Mitglieder eine gute Grundausbildung durchlaufen haben, welche es ihnen erlaubt, die zeitgemässen Anforderungen an eine gute Qualität zu beurteilen und umzusetzen. Weiter haben die Verbandsmitglieder regelmässig Gelegenheit, bei Weiterbildungen ihre Fachkenntnisse auf einen aktuellen Stand zu bringen.

Zusätzlich zur Grundausbildung und Weiterbildung besteht für TierpräparatorInnen die Möglichkeit, ihr Können bei internationalen Wettbewerben (ETC = European Taxidermy Championships , Europäischer Taxidermie Wettbewerb und WTC = World Taxidermy Championships, Weltmeisterschaft der PräparatorInnen) unter Beweis zu stellen– respektive die Qualität ihrer Arbeit von einer anerkannten Jury beurteilen zu lassen. Auszeichnungen aus solchen Wettbewerben stellen dem/r betreffenden PräparatorIn für die jeweilige Kategorie (Vögel, Säugetiere, Fische, Kopf-Schultermontagen etc.) ein zusätzliches Zeugnis für einen hohen Qualitätsstandart aus. Dabei wird ganz grob auf zwei Hauptkriterien geachtet:

  1. muss die Arbeit handwerklich solide und dauerhaft sein. Von einer guten Hautkonservierung über die Stabilität von Präparat und Podest bis zu  einer sauberen Detailverarbeitung (Nähte, Befestigungen, Sauberkeit/Geruch, Bemalung etc.) darf und muss ausgegangen werden.
  2. etwas schwieriger ist es, über die gestalterischen Qualitäten eines Präparates verbindliche Angaben zu machen – oder Vorgaben zu formulieren. Trotzdem ist eine korrekte Wiedergabe von anatomischen Gegebenheiten undiskutabel. Bei allen Tiergruppen müssen die typischen Merkmale, welche durch die Gestalt – aber auch durch die Körperhaltung des jeweiligen Tieres ausgedrückt werden, korrekt wiedergegeben werden. Als weiteres untrügliches und „messbares“ Qualitätsmerkmal bei der Beurteilung von Tierpräparaten kann auch die Symmetrie beigezogen werden. Die Fell- und Federpartien müssen richtig platziert und geordnet sein. Auch die meist unumgängliche Bemalung (der so genannte „finish“) muss unaufdringlich aber naturgetreu ausgeführt sein. Für alle diese Kriterien muss sowohl für den/die AuftraggeberIn wie auch für die/den PräparatorIn die Natur als unbestechliches Vorbild gelten (Naturbeobachtungen oder/und gute Fotos).

Weiter spielen aber, wie bei allen gestalterischen Arbeiten, auch bei Tierpräparaten  persönliche Vorlieben und „Geschmacks-Ansichten“ aller Beteiligten eine Rolle. Es ist deshalb unumgänglich, bei der Wahl der/des PräparatorIn den persönlichen Kontakt zu suchen, Referenzarbeiten anzuschauen und sich vor der Präparation über die gegenseitigen Erwartungen und Vorstellungen abzusprechen.

Bei Diskussionen oder gar Differenzen über die Qualität einer Arbeit hat der/die KundIn die Möglichkeit, beim Berufsverband VNPS eine Drittmeinung einzuholen (im Extremfall ein VNPS-internes Schiedsgericht anzurufen).

„Das gefundene Tier – die Jagdbeute als Ausgangsmaterial“

Für die Qualität eines Tierpräparates spielt aber auch die Ausgangslage des toten Tieres eine massgebliche Rolle! Angefangen vom Zustand des Tieres noch zu Lebzeiten (Jahreszeit, Haarwechsel/Mauser, Krankheiten, verheilte Verletzung etc.) über die Umstände des Todes (Unfall, Jagd, Krankheit, Verhungern etc.) bis zur Bergung und Zwischenlagerung des Tierkadavers/der Jagdbeute spielen viele Faktoren eine Rolle.

Die noch zu Lebzeiten bestandenen Faktoren sowie die Todesumstände und die verstrichene Zeit zwischen Tod und Fund des Objektes können nicht beeinflusst werden – sie können und müssen lediglich den Entscheid beeinflussen, ob eine Präparation unter den gegebenen Umständen überhaupt sinnvoll ist.

Hingegen können und sollen vom Moment des Fundes oder der Erlegung an weitere schädigende Faktoren vermieden werden. Tipps im Umgang mit tot aufgefundenen Wildtieren oder mit Jagdbeute, welche für eine Präparation vorgesehen sind finden sich auf den beiden Merkblättern;  A – „Umgang mit tot aufgefundenen Wildtieren „Fallwild“  und  B -„Umgang mit Jagdbeute“.

In jedem Fall müssen der/die AuftraggeberIn und der/die PräparatorIn gemeinsam eine Beurteilung der Ausgangslage vornehmen, um im weiteren Verlauf von der gleichen Voraussetzung ausgehen zu können. Selbstverständlich muss und darf dabei vor allem auf die Erfahrung und Fachkenntnis des/der PräparatorIn abgestellt werden.

Trotz sorgfältiger Eingangskontrolle können auch nachträglich noch unvorhergesehene Probleme auftauchen, welche eine Präparation erschweren oder gar verunmöglichen (insbesondere sei darauf hingewiesen, dass gefrorene Tiere nie abschliessend auf ihren Zustand hin beurteilt werden können).

Bei dieser Gelegenheit soll nicht versäumt werden, auch ganz kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit auf die hygienischen Aspekte im Umgang mit toten Tieren hinzuweisen. Vor allem bei tot aufgefundenen Wildtieren muss immer auch mit verschiedenen auf den Menschen übertragbare Krankheiten (Zoonosen) gerechnet werden. Das heisst, möglichst wenig direkten Kontakt mit dem toten Tier haben – wenn möglich Handschuhe tragen und auf jeden Fall umgehend nach dem Kontakt mit dem Tierkadaver Hände und Unterarme gründlich mit Seife waschen. 

Merkblatt A - „Umgang mit tot aufgefundenen Wildtieren, „Fallwild"

  • Offensichtlichensichtlich faule oder z.B. als Strassenopfer zerschmetterte Tiere sind in der Regel nicht mehr präparierbar und sollten gar nicht erst mitgenommen werden (allenfalls der Wildhut melden).
  • Frischtote oder noch frisch aussehende Tiere müssen so rasch als möglich zum/zur PräparatorIn gebracht oder als Zwischenlagerung tiefgefroren werden (jede weitere Stunde, die das tote Tier noch herumliegt, kann das Objekt unpräparierbar machen!)
  • Vor dem Tiefgefrieren muss das Tier fachgerecht und vor allem luftdicht verpackt werden. Beim Verpacken ist auf folgende Punkte zu achten:
  1. Noch körperwarme Tiere unbedingt vor dem Verpacken an einem kühlen und trockenen Ort auskühlen lassen.
  2. Das Tier soll in einer möglichst natürlich/gestreckten Haltung, ohne Flügel- oder Schwanzfedern zu biegen oder zu knicken, eingefroren werden.
  3. Das Tier kann allenfalls vor dem Verpacken in ein weiches, saugfähiges Papier eingewickelt werden.
  4. Ganz wichtig ist eine absolut luftdichte und eng anliegende Plastikfolienverpackung (nicht vakumieren). Ideal ist eine verschweisste PE-Folientüte – aber auch ein sorgfältig verklebter Plastiksack ist geeignet.
  5. Nicht zuletzt ist es auch wichtig, jeden Tierfund mit Funddatum und Fundort individuell zu beschriften (siehe die gesetzlich vorgeschriebene Meldepflicht).
  • So verpackt und rasch eingefroren kann das Objekt nun bis zu mehreren Wochen zwischengelagert werden.
  • Ein letzter kritischer Schritt ist der Transport von Frostmaterial. Im Idealfall sollte das gefrorene Tier beim Transport weder auf- noch antauen. Ein wiederholtes einfrieren und auftauen ist tunlichst zu vermeiden. Lässt sich ein Antauen nicht vermeiden, sollten die Objekte zum Transport aus der luftdichten Plastikverpackung herausgenommen werden.

 

Gerne wird der/die ausgewählte PräparatorIn jederzeit mit auf die jeweilige Situation zugeschnittenen Ratschlägen zur Verfügung stehen.

 

Merkblatt B - „Jagdbeute“

  • Über den fachgerechten Umgang mit Jagdbeute– vor allem auch speziell im Hinblick auf eine Präparation der Trophäe oder des ganzen Tieres sind verschiedene Fachbücher und Ratgeber auf dem Markt– ebenfalls erscheinen in regelmässigen Abständen entsprechende Beiträge in der Jagdpresse. Zudem halten PräparatorInnen, welche sich auf die Präparation von Jagdtrophäen spezialisiert haben, ausführliche Merkblätter für Ihre Kundschaft bereit.
  • Grundsätzlich gelten bei Jagdbeute die gleichen Verhaltensregeln wie bei Fallwild (siehe Merkblatt A). Allerdings kennt der/die JägerIn den Todeszeitpunkt genau und hat es selber in der Hand, durch eine umsichtige Planung und einen sorgfältigen Umgang mit der Jagdbeute ideale Voraussetzungen zu schaffen.
  1. Vögel und kleinere Säugetiere bis Fuchsgrösse werden nicht aufgebrochen –aber in jedem Fall vor dem Verpacken vollständig ausgekühlt.
  2. Weitere Hinweise zum Verpacken und Zwischenlagern von toten Tieren finden sich auf dem Merkblatt „A – Fallwild“.
  3. Vor allem bei Vögeln und Kleinsäugern liegt es auf der Hand, beim Transport auf Halsschlingen oder scheuernde Aufhängevorrichtungen an Hals, Beinen oder Pfoten zu verzichten.
  4. Vor allem bei Schalenwild, welches zu einem Wandpräparat (Kopf-Schulter-Dermoplastik verarbeitet werden soll, kommt es immer wieder zu fatalen Missverständnissen: um ein ansprechendes Präparat herstellen zu können, braucht der/die PräparatorIn genügend Haut! Die Haut soll deshalb deutlich hinter den Schulterblättern/Vorderbeinen unter Belassen der Vorderlaufhaut bis zu den Handgelenken geschnitten werden. Das Herauslösen/Abziehen der Kopfhaut sollte in jedem Fall einer Fachperson überlassen werden.

 

Eine Rücksprache mit dem /der PräparatorIn im Vorfeld ist in jedem Fall zu empfehlen.